Peptidrezeptorradiotherapie (PRRT) bei neuroendokrinen Tumoren (NET)

Liebe Patientin, lieber Patient,

 

die Klinik für Nuklearmedizin, Universitätsklinikum Bonn, verwendet schon mehr als 10 Jahre radioaktiv markierte Eiweiße zur Diagnostik und Therapie der neuroendokrinen Tumore (NET).

 

Neuroendokrine Tumore sind eine seltene Klasse von Krebserkrankungen (Neoplasien), die aus hormonbildenden Zellen entstehen und die Eigenschaft haben, spezielle Hormone zu produzieren und freizusetzen, die erhebliche klinische Symptome hervorrufen können. Die meist zunächst unbemerkt und langsam wachsenden NETs werden häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. Oft finden sich zum Zeitpunkt der Diagnosestellung daher bereits Metastasen in der Leber.

 

Gut differenzierte neuroendokrine Neoplasien (NEN) zeigen eine übermäßige Anzahl der Somatostatinrezeptoren (SSTRs) auf ihrer Oberfläche, insbesondere des SSTR-2-Subtyps. So sind SSTRs therapeutische und diagnostische (theranostische) Ziele in NEN.  Seit fast drei Jahrzehnten sind diese bekannt und haben sich inzwischen gut als Zielstrukturen etabliert.

 

Die Hauptsäulen der Therapien bei GEP-NET- Erkrankungen sind Chirurgie, Biotherapie mit Somatostatin-Analoga (SSA), Peptidrezeptor-Radionuklid-Therapie (PRRT) mittels 177Lu-DOTATATE, molekular gezielte Therapien wie Everolimus, Chemotherapie und lokale Ablativtherapie. Die Komplexität des NET erfordert eine enge Zusammenarbeit innerhalb eines interdisziplinären Teams. Daher empfiehlt es sich, Patienten in spezialisierten Zentren zu behandeln, in denen Spezialisten aus den Fachrichtungen Pathologie, Radiologie, Onkologie, Gastroenterologie, Onkologische, Chirurgie, und Nuklearmedizin zusammenarbeiten. Nur so können die Richtlinien an die klinische Praxis angepasst werden, wobei ein Austausch von aktuellem Wissen interdisziplinär erfolgt. So kann ein individueller Therapieansatz für jeden Patienten entwickelt werden.

 

Wie funktioniert die Radiopeptidtherapie mittels 177Lu-DOTATATE?

 

Die 177Lu-DOTATATE- Moleküle lagern sich an die Somatostatinrezeptoren der erkrankten Zellen an, wie ein Schlüssel, der das passende Schloss erkennt. Aufgrund der spezifischen Bindung („Schlüssel-Schloss-Prinzip“) reichert sich Radioaktivität im Tumorgewebe an und bestrahlt dieses von innen. Durch die Kopplung des Radionuklides an ein Peptidmolekül, welches spezifisch an das Zielgewebe (Tumorläsionen) bindet, können sehr hohe – und sonst nicht mögliche – Strahlendosen hoch- spezifisch und unter größtmöglicher Schonung des gesunden Gewebes direkt am Tumor appliziert werden. Das Lutetium-177 hat nicht nur therapeutisch wirksame ß-Strahlen (effektive Reichweite im Gewebe von 1 mm), sondern auch diagnostisch verwertbare Strahlen (Gamma-Strahlung), die zur Bildgebung nach der Verabreichung des Therapiepräparats verwendet wird.

 

Therapieablauf

 

Zuerst sollte eine ausreichende Speicherung von Somatostatin-Analoga in den Tumorläsionen nachgewiesen sein. Dies kann durch ein Rezeptor- PET/CT wie z.B. das 68Ga-DOTATOC PET/CT erfolgen (Abbildung 1).

Abbildung 1: 68Ga-DOTATOC PET zeigt mehrere Knochen- und Lymphknotenmetastasen

 

Die 177Lu-DOTATATE-Therapie erfolgt auf der Station Winkler, der Nuklearmedizinischen Therapiestation am Uniklinikum Bonn. Zuerst erfolgt eine gründliche Untersuchung durch unsere Stationsärzte. Blutbild und Tumormarker werden bestimmt. Vor dem ersten Zyklus wird auch eine Nierenszintigraphie zum Ausschluss einer obstruktiven Harnabflussstörung durchgeführt. Etwa  30 Minuten vor der Applikation der radioaktiven Substanz wird zum Schutze der Nieren vor übermäßiger Bestrahlung eine mehrstündige Infusion bestimmter Aminosäuren, welche die unerwünschte Nieren-Speicherung des Therapiepräparates reduziert, verabreicht; diese Infusion kann eine vorübergehende Übelkeit verursachen. Das Therapiepräparat wird intravenös als Infusion über 10 Minuten gegeben.

 

 

Nach der Therapiegabe müssen Sie 48 Stunden auf der Station bleiben. Sie können persönliche Gegenstände, wie Bücher, PC, Tablets, Handy, Kleidung, etc. mitbringen und auch wieder nach Hause mitnehmen. Im Zimmer haben Sie einen persönlichen Flachbildschirm am Bett. Am Tag nach der Therapie werden Ganzkörperaufnahmen durchgeführt, um die Verteilung des Therapiepräparats im Körper zu überprüfen (Abbildung 2).

 

Abbildung 1:

 

177Lu-DOTATATE Aufnahme 24 Std. nach der Applikation der Therapiesubstanz

 

Anzahl der Behandlungen

 

Die 177Lu-DOTATATE-Therapie wird in mehreren Zyklen durchgeführt. In der Regel werden zunächst 4 Zyklen geplant. Die Therapiezyklen erfolgen alle 8-12 Wochen.

 

Kann die Therapie bei einem erneuten Progress wiederholt werden?

 

Bei einem erneuten Progress der Erkrankung können weitere Zyklen der Therapie erfolgen.

 

Nebenwirkungen / Verträglichkeit

 

Eine relevante Strahlenbelastung durch die Injektion der radiomarkierten Substanz ist für das Knochenmark, und die Niere beschrieben. Diese führte nach bisherigen Beobachtungen jedoch zu keiner relevanten Organ- Fehlfunktion oder –Beeinträchtigung. Wesentliche Einschränkungen der Nierenfunktion, eine persistierende Knochenmarksinsuffizienz oder anderweitigen Ausfälle sind also unwahrscheinlich. Als seltene Ausnahme wurde eine Knochenmarksinsuffizienz beschrieben, siehe hierzu auch den Passus zum MDS (myelodysplastisches Syndrom). Insgesamt wurden die Therapiezyklen gut vertragen. Übelkeit (selten mit Erbrechen) in den ersten 24 Stunden nach Therapie wurden in maximal 30% der Fälle beobachtet. Eine vorübergehende milde Knochenmarksdepression (mit vorübergehender Leuko- oder Thrombopenie) ist die häufigste Nebenwirkung bei etwa einem Viertel der Fälle; diese erfordert in aller Regel keinerlei zusätzlichen Maßnahmen oder Therapien. Eine mögliche Spätfolge kann aber das Auftreten eines MDS mit Knochenmarksinsuffizienz sein. Diese tritt nach aktueller Datenlage in ca. 0,5% der Fälle (d.h. 1 von 200 therapierten Patienten) auf.

 

Wie kann man sich zur 177Lu-DOTATATE-Therapie anmelden?

 

Die Entscheidung zur 177Lu-DOTATATE-Therapie treffen Sie zusammen mit Ihrem Onkologen/Gastroenterologen und den Experten aus unserer Abteilung. Nach der „Machbarkeitsprüfung“ einer 177Lu-DOTATATE-Therapie wird Ihr individueller Fall in unserer Tumorkonferenz für die neuroendokrinen Tumoren vorgestellt. Dieser Schritt entfällt bei Vorhandensein eines auswärtigen Tumorkonferenzbeschlusses.  Sie können uns über unser Therapiesekretariat (Frau Kuhn-Seifer: 0228-287 1 6974; Fax: 0228-287 1 9057) erreichen.

 

Direktor der Klinik für Nuklearmedizin

Prof. Dr. med. Markus Essler

klinik.nuklearmedizin@ukbonn.de

 

Leiter der Therapiestation:

Prof. Dr. med. Hojjat Ahmadzadehfar, MSc.

hojjat.ahmadzadehfar@ukbonn.de

 

Therapiesekretariat (Study Nurse):

Frau Ulrike Kuhn-Seifer

Tel: +49 (0)228 287-16974

ulrike.kuhn-seifer@ukbonn.de

 

Oberarztsekretariat:

Frau Sabine Döbeling

Tel: +49 (0)228 287-16181

Fax: +49 (0)228 287-90 19858

sabine.doebeling@ukbonn.de

 

Station Winkler

Tel: +49 (0)228 287-16855

Tel: +49 (0)228 287-16854 (Stationsarzt)

Fax: +49 (0)228 287-19107

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Befundabfrage

Mo. - Fr.: 08:00 Uhr - 16:00 Uhr

Tel.: +49 (0)228 / 287 - 11089

Fax: +49 (0) 228 / 287-16615

anmeldungnuklearmedizin@ukbonn.de

Terminvergabe


Bitte vereinbaren Sie telefonisch einen Termin.

Schilddrüsenambulanz:
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PET/CT:
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Konventionelle Szintigraphie:
Tel.: +49 (0) 228 / 287-16171

Therapie-Sekretariat:
Tel.: +49 (0) 228 / 287-16974

Fax: +49 (0) 228 / 287-19057

Therapiestation Winkler:
Tel.: +49 (0) 228 / 287-16855
Fax: +49 (0) 228 / 287-19107

 

Oberarztsekretariat: S. Döbeling

Tel.: 0228 / 287 - 16181

Fax: 0228 / 287 - 19057

 

Die Anmeldung erfolgt im Haus 21 (Nuklearmedizin)

 

Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin

Universitätsklinikum Bonn (AöR)

Sigmund-Freud-Straße 25

D-53127 Bonn